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Hemmstoff

Bedeutung von Hemmstoffen in der Milch

Milch hat als bedeutendes Grundnahrungsmittel seit jeher das Image, wertvoll, gesund und unbelastet zu sein. Die Milchqualität konnte in den letzten Jahren auf ein hervorragendes Niveau angehoben und gehalten werden. Ebenso wurden bei der Eutergesundheit der Milchkühe entscheidende Fortschritte gemacht. Trotzdem ist eine Euterentzündung nicht ausgeschlossen und muss aus Tierschutzgründen fachgerecht behandelt werden. Hierbei werden unter anderem Antibiotika eingesetzt, die zu Rückständen in der Milch führen können wenn nicht die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden.

Solche Rückstände müssen nicht nur aus Sicht des Verbraucherschutzes vermieden werden, sondern es entstehen der Milchwirtschaft durch Hemmstoffe in der Verarbeitungsmilch auch enorme wirtschaftliche Schäden aufgrund von Produktionsstörungen, die bis hin zum völligen Produktionsausfall gehen können.

Für den Verbraucher besteht die Gefahr in der pharmakologischen, resistenzbildenden und allergenen Wirkung dieser Stoffe.

Die Milchgüteverordnung regelt die Methodik für die routinemäßige Untersuchung der Anlieferungsmilch an die Molkerei. Es werden keine bestimmten Stoffe unterschieden. Bei dem Nachweis von Hemmstoffen ist je positivem Untersuchungsergebnis des Monats der Auszahlungspreis um 5 ct/kg Anlieferungsmilch des gesamten Monats zu kürzen ist.

Für verantwortungsbewusste Milchproduzenten ist es eine Selbstverständlichkeit, alles zu unternehmen, damit keine Hemmstoffrückstände in die Anlieferungsmilch gelangen.

 

Untersuchungmethode

Nachweis von Hemmstoffen in Sammelmilch; Agar-Diffusions-Verfahren (Brillantschwarz - Reduktionstest) § 64 LFGB BVL 01.00-5

Begriffsdefinition:
Eine Probe enthält Hemmstoffe, wenn sie nach dem festgelegten Verfahren das Wachstum des Testkeims und somit die Reduktion des dem Medium zugesetzten blauen Redoxindikators mindestens in gleicher Weise hemmt wie die Kontrolleprobe mit 4 µg/kg Benzylpenicillin.

Hemmstoffe sind im weitesten Sinne alle Substanzen, die auf das Wachstum von Mikroorganismen und Lebewesen hemmend oder abtötend wirken. Dabei kann es sich beispielsweise um Tierarzneimittel, Futtermittelinhaltsstoffe, Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder milchoriginäre Hemmstoffe handeln.

 

originäre Hemmstoffe

z.B. Imunogloboline, Lysozym und Laktoferrin

  • Bei der Milchproduktion im Euter werden von der Kuh (speziell in den ersten Tagen nach dem Kalben) vermehrt Stoffe gebildet und ausgeschieden die in der Lage sind das Immunsystem des Kalbes zu unterstützen und zu stärken. Diese Stoffe haben eine antibakterielle Wirkung, die in einem Hemmstofftest (biologischer Test) zu einem positiven Ergebnis führen kann. Kolostrum / Biestmilch (erste 5 Tage) ist im biologischen Hemmstofftest (entsprechend der Milchgüteverordnung) in der Regel eher positiv.

    Bei einzelnen Tieren kann das Vorhandensein von originären Hemmstoffen in der Laktation auf ein massives Fütterungsproblem, speziell zu Beginn der Laktation in Verbindung mit sehr hoher Leistung, hindeuten.

    Die Konzentration der Substanzen kann in der Milch von an Mastitis erkrankten Tieren erhöht sein. Milch aus stark entzündeten Eutervierteln ((Zellzahl >1 Mill/ml) die ohnehin ungenießbar ist und nicht abgeliefert werden darf) kann im Hemmstofftest positiv reagieren.
  • Unterscheidung "zugesetzte" Hemmstoffe / originäre Hemmstoffe: Durch eine Erhitzung der Probe für ca. 2-10 Minuten auf 82°C lassen sich die originären Hemmstoffe inaktivieren.
  • Tankmilch von stoffwechselgesunden Kühen ohne Euterentzündung reagiert im Hemmstofftest eindeutig negativ.